
Urlaubszeit ist die schönste Zeit
… oder?
Juli 2026
Monatelang wird geplant, organisiert und abgestimmt.
Es wird recherchiert, verglichen und manchmal sogar verhandelt.
Wohin soll es gehen? Strand, Berge oder Stadt? Mit Pool? Mit Verpflegung? Bahn, Auto oder Flugzeug? Was passt zu unserem Budget und unseren Werten? Und wie lange halten wir es eigentlich gemeinsam auf engstem Raum aus?
Irgendwann ist alles gebucht. Die Vorfreude steigt. Gleichzeitig steigt oft auch der Stress, die Erwartungen und Hoffnungen. Die letzten Arbeitstage sind voll, das Schuljahr war anstrengend, die Koffer müssen gepackt werden, alle sind angespannt und hoffentlich voller Vorfreude.
Dann ist er endlich da: der Urlaub. Wunderschöne Orte, gutes Essen, Sonne und trotzdem wird gestritten. Die Stimmung kippt, Enttäuschung macht sich breit und statt Erholung fühlen sich einige Familien am Ende des Urlaubs ausgelaugter als vorher.
Warum ist das so?
In meiner Arbeit als Familienmediatorin erlebe ich immer wieder, dass Konflikte im Urlaub selten erst dort entstehen. Sie werden lediglich sichtbarer.
Im Alltag gibt es Routinen, Arbeit, Schule und Verpflichtungen. Im Urlaub fällt vieles davon weg und plötzlich treffen unterschiedliche Bedürfnisse unmittelbar aufeinander.
Der eine möchte Ruhe und Entspannung.
Die andere wünscht sich gemeinsame Unternehmungen.
Die Kinder wollen Abenteuer.
Die Jugendlichen brauchen Freiraum.
Großeltern haben wieder ganz andere Vorstellungen von einem gelungenen Urlaub.
Jeder wünscht sich einen erfüllten Urlaub, aber jeder versteht etwas anderes unter Erholung, Nähe und gemeinsamer Zeit.
Wenn diese Erwartungen unausgesprochen bleiben, entstehen schnell Missverständnisse, Enttäuschungen und Konflikte.
Familienmediation kann schon vorher Unterstützung anbieten und nicht erst dann, wenn der Streit eskaliert, sondern bereits dort, wo Verständnis füreinander wachsen kann. Wenn Familien lernen, Bedürfnisse auszusprechen, Unterschiede anzuerkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, verändert sich nicht nur der Urlaub, sondern das gesamte Zusammenleben.
Denn dieses Thema begleitet Familien das ganze Jahr:
Partnerschaften verändern sich.
Kinder entwickeln sich weiter.
Neue Lebensphasen bringen neue Bedürfnisse mit sich.
Wer regelmäßig miteinander ins Gespräch kommt, schafft die Grundlage für ein wertschätzendes Miteinander- im Urlaub und weit darüber hinaus.
Mein Impuls für die Ferien:
Fragt euch vor der Abreise nicht nur: "Was nehmen wir mit?"
Sondern auch: "Was braucht jeder von uns, damit dieser Urlaub wirklich erholsam wird?"
Diese eine Frage kann mehr verändern als die Wahl des Urlaubsortes.
Mein Rückblick auf die diesjährige Altonale
Manchmal braucht es gar keinen Beratungsraum, um über Konflikte ins Gespräch zu kommen.
Juni 2026
Die Altonale liegt inzwischen hinter uns und ich schaue auf zwei Tage zurück, die mich noch eine ganze Weile begleiten werden.
Wieder durfte ich dort die Mediation, das IMKA Hamburg und den Verein Förderer der Familienmediation i.S.d. BAFM e.V. vertreten.
Mit unserem Stand wollten wir Menschen dazu einladen, Konflikte einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Nicht als etwas, das möglichst vermieden werden muss, sondern als etwas, das zu unserem Leben gehört und uns etwas über uns selbst und über andere erzählen kann.
Ich habe mich über die vielen Begegnungen gefreut. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind mit uns ins Gespräch gekommen, haben Fragen gestellt, am Konfliktparcours teilgenommen, ihren Konfliktkompass gestaltet oder einfach erzählt, was sie gerade beschäftigt.
Besonders schön finde ich es immer wieder, wie selbstverständlich Kinder über Gefühle sprechen können, wenn wir ihnen den Raum dafür geben und ein bisschen unterstützen. Sie überlegen nicht lange, ob eine Antwort richtig oder falsch ist. Sie erzählen, was sie wahrnehmen. Sie beschreiben, wann sie wütend sind, wann sie traurig werden oder was ihnen hilft, wenn sie sich mit jemandem gestritten haben. Und oft entstehen genau daraus Gespräche zwischen Kindern und ihren Eltern, die im Alltag vielleicht gar nicht stattfinden würden.
Unser Eisberg hat dabei viele Menschen zum Nachdenken gebracht. Schnell wurde deutlich, dass wir in Konflikten meistens zuerst das Verhalten sehen. Jemand wird laut, zieht sich zurück oder verletzt den Anderen mit Worten.
Doch darunter liegt oft etwas ganz anderes. Der Wunsch, verstanden zu werden, die Angst, nicht dazuzugehören oder die Enttäuschung, nicht gesehen zu werden.
In der Mediation stelle ich nicht die Frage, wer Recht hat, sondern versuche zu erforschen, was den Menschen oder die Konfliktparteien bewegt.
Die Altonale hat mich einmal wieder darin bestärkt, wie wichtig es ist, Konfliktkompetenz früh zu fördern. Kinder müssen nicht lernen Konflikte zu vermeiden. Sie dürfen lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen, zuzuhören, Unterschiede auszuhalten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Und auch wir Erwachsenen können uns davon manchmal eine Scheibe abschneiden.
Ich freue mich auf andere, neue Formate, auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr und immer über den Austausch.
Solche Begegnungen erinnern mich immer wieder daran, warum ich diese Arbeit so gerne mache.
RÜCKBLICK- FACHTAGUNG FAMILIENMEDIATION
in Hamburg „Familie – Wurzel der Demokratie?“ Warum mich diese Tagung fachlich wie persönlich bewegt hat
Die diesjährige Fachtagung hat für mich erneut gezeigt, wie eng Familienleben und demokratische Kultur miteinander verbunden sind. Demokratie beginnt auch dort, wo Menschen sich zuhören, Bedürfnisse aushandeln und Verantwortung teilen. Familien sind für mich zentrale Orte, an denen diese Haltungen wachsen können – oder eben nicht.
In meiner Arbeit als Familienmediatorin erlebe ich täglich, wie sehr sich Familien Beteiligung und Wertschätzung wünschen, aber im Alltag an ihre Grenzen und unter Druck geraten.
Umso wertvoller war diese Tagung: ein Raum für Austausch, Reflexion und gemeinsames Lernen.
Ein besonderes Highlight war für mich, gemeinsam mit meiner Kollegin Dr. Monika Hartges als Gastgeberinnen unseres BAFM-Ausbildungsinstituts IMKA Hamburg auftreten zu dürfen. Mit vielen engagierten Unterstützer:innen haben wir vorbereitet, organisiert und gestaltet – und der Tagung unsere gemeinsame Handschrift gegeben.
Unser Workshop zum demokratischen Erziehungsstil lag mir besonders am Herzen. Die Vorbereitung mit Jasmin Birkel hat mich noch einmal in wichtigen Fragen geschärft:
- Was bedeutet demokratisches Erziehen für mich persönlich?
- Wie viel Mitbestimmung ist gut und wo braucht es klare elterliche Verantwortungsübernahme?
- Wie gestalte ich Konflikte so, dass Kinder sich ernst genommen fühlen?
Gemeinsam mit Alexandra Hertel durften wir diese Fragen mit den Teilnehmenden praktisch erleben.
Auch Gespräche auf den Stadtfesten, wie dem RambaZamba in Norderstedt oder der Bunten Altonale, im Vorfeld haben mich bewegt: viele Menschen berichteten offen, wo sie selbst im Alltag ringen – und wie entlastend es ist, diese Themen gemeinsam zu betrachten.
Ich bin überzeugt: Kinder entwickeln demokratische Fähigkeiten besser, wenn wir Erwachsene sie ihnen vorleben – nicht durch grenzenlose Aushandlung, sondern durch eine Haltung, die Beziehung, Respekt und Unterschiedlichkeit in den Mittelpunkt stellt.
Aus der Tagung nehme ich drei Gedanken besonders mit:
- Familien brauchen (Schutz)räume für Vielfalt und Perspektivwechsel.
- Konflikte sind notwendige Lernfelder – Mediation bietet einen sicheren Rahmen.
- Demokratie ist eine Haltung, die sich im Alltag zeigt: in Sprache, Beziehung, Grenzsetzung.
Für mich wurde einmal mehr deutlich: Familienarbeit und Mediation tragen entscheidend zu einer demokratischen Gesellschaft bei. Diese Überzeugung nehme ich gestärkt mit.


Fachtagung Familienmediation in Hamburg 2025
14.11.- 15.11.2025 THEMA: FAMILIE- WURZEL DER DEMOKRATIE?
Tagungsort: MachWerk, Paul-Dessau-Str. 3A, 22761 Hamburg
- Keynote-Speakerin: Claudine Nierth- Bundesvorstandssprecherin von „Mehr Demokratie e.V.“ und Politaktivistin
- Debatte zum Fachtagungsthema
- 10 verschiedene Workshops
Juni
2025

Analog statt Digital
Mit dem IMKA Hamburg und dem Verein Förderer der Familienmediation i.S.d. BAFM unterwegs
Infomeile "Buntes Altona" 28.- 09.06.2025 / Kinderfest "RambaZamba" 21.06.2025
Auf der Infomeile "Buntes Altona" und dem Kinderfest "RambaZamba" in Norderstedt war ich mittendrin: mit dem IMKA Hamburg und dem Verein Förderer der Familienmediation i.S.d. BAFM.
Mit einem Glücksrad voller Gewinnmöglichkeiten oder voller Fragen, einem Streitlösungswürfel, Gefühlslollies oder Streitmonster zum Basteln, und vor allem: mit viel Raum zum Zuhören und Austauschen – gerade, wenn das Glücksrad mal Pause hatte-.
Beim Kinderfest "RambaZamba" konnte man beim Drehen am Glücksrad Gutscheine für einen Familycheck, Kugelschreiber, Gummibärchen, Lollies, Glücksbleistifte und Regenbogenbleistifte gewinnen. In unserem Zelt konnten Gefühlslollies (die waren besonders beliebt), Streitmonster oder Wollherzen gebastelt werden. Das Glücksrad war der absolute Hit, aber auch unser Basteltisch war ständig voll und die Kinder haben mit Begeisterung gebastelt, während die Eltern eine kurze Pause hatten.
Auf der Infomeile "Buntes Altona" hat sich unser Glücksrad gedreht und zu jeder Frage kamen große und kleine Gedanken: Was wünsche ich mir in meiner Familie, damit es gerecht zugeht? Wo darf ich oder möchte ich in meiner Familie mitentscheiden? Wie kann man sich gut streiten und nach einem Streit wieder vertragen? Die Fragen sind inspiriert von dem Thema unserer Fachtagung in diesem Jahr in Hamburg. Dort wollen wir uns mit der Frage beschäftigen: "Familie – Wurzel der Demokratie?"
Am ersten Tag ließen wir unseren Demokratiebaum wachsen- mit Wünschen, Herausforderungen, Ideen. Familien, Kinder, Heranwachsende, junge Erwachsene haben ihre Stimmen sichtbar gemacht: für mehr Mitentscheidung, für mehr Miteinander.
Am zweiten Tag drehte sich alles ums Zuhören- ganz praktisch, mitten auf der Straße. Denn: Zuhören ist kein „Nice-to-have“- es ist das Herzstück jeder Beziehung. Es verhindert Streit. Und wenn´s doch kracht: Es heilt.
Die Kinder (und manchmal auch die Erwachsenen) haben jede Menge Streitlösungswürfel gebastelt und damit gezeigt: Man kann auch spielerisch lernen, wie man sich wiederfindet, wenn's mal schwierig wird.
Juni
2025

Informationsangebot für mehr Miteinander
Demokratie in der Familie
Meine Kollegin Jasmin Birkel und ich freuen uns schon sehr auf den 12. Juni 2025. An dem Tag werden wir in der Evangelischen Familienbildung Norderstedt mit Eltern oder Interessierten über dieses Thema sprechen. Demokratie ist nicht nur Politik, sondern vielmehr. Es ist auch eine Form des Zusammenlebens. Demokratie in der Familie bedeutet, gemeinsam zu entscheiden, fair zu sein, einander zu respektieren, zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen. Wir hoffen, dass wir den Abend mit guten Impulsen und einem bereichernden Austausch füllen können.
Dezember
2024

Artikel zur IMKA Fortbildung "Versöhnen und Verzeihen- was lässt sich in der Mediation dazu beitragen"
Im Entstehen und im Agieren in ihren Konflikten fügen sich die Parteien oft Verletzungen, Kränkungen und manchmal auch realen Schaden zu.
Daher ist in der Mediation die sachliche Konfliktklärung nur ein mögliches Ergebnis.
Um die Chancen zu erhöhen, dass die Konfliktparteien zukünftig wieder leichter miteinander umgehen können, ist der Blick auf eine mögliche Versöhnung und Aspekte des Verzeihens unbedingt hilfreich.


















